Co-Nutzungsstrategien für die Nordsee

Mit zunehmendem Ausbau von Offshore-Windkraft in der Nordsee stellt sich die Frage nach Alternativen für die Fischerei. Mit welchen fischereilichen Ressourcen kann eine gemeinsame Nutzung der betreffenden Gebiete gelingen?

(© Thünen-Institut/N. Stollberg)

Mit dem Ausbau der Offshore-Windenergie in der Deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) in der Nordsee werden in Zukunft für die Fischerei zahlreiche Fanggebiete verlorengehen. Eine vielversprechende Möglichkeit, diesen Verlust auszugleichen, könnten Strategien einer gemeinsamen Nutzung von Offshore-Windparks bieten. Denn die Parks, die für den übrigen Schiffsverkehr gesperrt sind, könnten zum einen als geschützte Aufwuchsgebiete für wichtige fischereiliche Ressourcen, wie z. B. Kabeljau, Hummer oder Taschenkrebs fungieren. Zum anderen könnten durch so genannten Spill-over-Effekte diese Zielarten verstärkt in der unmittelbaren Umgebung der Parks zu finden sein.

Diese Potentiale hat SeaUseTip-Projektleiterin Vanessa Stelzenmüller gemeinsam mit Doktorand Jonas Letschert und weiteren Wissenschaftler*innen des Thünen-Instituts für Seefischerei untersucht. Ihr Fokus lag dabei auf dem Taschenkrebs, welcher möglicherweise im Rahmen einer passiven Korbfischerei in unmittelbarer Nähe von Windparks gefangen werden kann. Nahe der Insel Helgoland brachten die Forschenden insgesamt 205 beköderte Krebskörbe aus. Diese wurden nach 24 Stunden wieder geborgen und die darin befindlichen Taschenkrebse vermessen und gewogen.

Ihre Ergebnisse deuten drauf hin, dass Spill-over-Effekte von 300 bis 500 Metern zur nächsten Windturbine auftreten, sich die Tiere also aus den Windparks in die unmittelbare Umgebung verbreiten. Das wiederum könnte für die lokale Baumkurrenfischerei eine Möglichkeit darstellen, im Rahmen einer passiven saisonalen Korbfischerei im Sommer eine alternative Einkommensquelle zu erschließen. Voraussetzung dafür sind allerdings zum einen zuverlässige Absatzmöglichkeiten für die Fänge sowie entsprechende gesetzliche Regelungen, die ihnen den Einsatz der Taschenkrebskörbe im unmittelbaren Umfeld erlauben.

Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler nun im Rahmen einer wissenschaftlichen Publikation veröffentlicht.