Begrenzter Platz und viele Interessen

Fortschreibung des Raumordnungsplans für die deutsche Nordsee

(© Thünen-Institut)

Ein bisschen sieht sie aus wie eine Ente, die Kopf und Schnabel in Richtung der britischen Inseln streckt. Die Deutsche Ausschließliche Wirtschaftszone, oder kurz „AWZ“ in der Nordsee ist der Meeresbereich jenseits der Küstengewässer, in dem die Bundesrepublik bestimmte souveräne Rechte ausüben kann und auch Pflichten hat. Dazu gehören Fischerei, Schifffahrt, Sand- und Kiesabbau, die Errichtung von Offshore-Windanlagen und die Ausweisung von Schutzgebieten.

Im Zuge zunehmender Nutzungsintensität in dem 28.600 km2 umfassenden Bereich und einer Vielzahl verschiedener Interessen ist die marine Raumordnung ein wichtiges Werkzeug, um diese zu koordinieren und Konflikte zu vermeiden.

Die seit 2009 geltenden Raumordnungspläne für die deutschen AWZ von Nord- und Ostsee werden momentan vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) aktualisiert und fortgeschrieben. Sie sollen 2021 in Kraft treten.

SeaUseTip-Projektleiterin Vanessa Stelzenmüller beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit der marinen Raumplanung in der Nordsee und den Herausforderungen, die sich dabei gerade im Hinblick auf den beträchtlichen Ausbau der Offshore-Windenergie ergeben. Denn diese befindet sich im Flächenwettstreit mit Meeresschutzgebieten und auch mit der Fischerei.

In die aktuelle Überarbeitung des Raumplanes fließen nun auch wichtige Erkenntnisse, die sie und ihre Kollegen in den vergangenen Jahren gewonnen haben, mit ein. Dazu gehört die Festlegung eines Vorbehaltsgebietes für die Kaisergranatfischerei im Bereich des südlichen Schlickgrunds. Da die Krustentiere an einen bestimmten Untergrundtyp, nämlich Schlick, angepasst sind, können sie an dieser Stelle gezielt gefischt werden.

Auch der Vorschlag, die passive Fischerei innerhalb der Sicherheitszone von Windparks in einem Abstand von 300 Metern zu den Anlagen zu erlauben, basiert auf aktuellen Forschungsergebnissen zur Verbreitung von Taschenkrebsen im Windpark Meerwind Süd/Ost.

Vanessa Stelzenmüller sieht die Herausforderungen, die sich aus wissenschaftlicher Sicht im Überarbeitungsprozess des Raumordnungsplans ergeben, vor allem darin, der sozio-ökologischen Komplexität der Ressourcennutzungen gerecht zu werden und mit flexiblen Maßnahmen z.B. eine langfristige Anpassungsfähigkeit der Fischerei zu unterstützen.

Um qualifizierte Planungsentscheidungen zu treffen, sind umfassende ökologischen und ökonomischen Daten ebenso notwendig wie eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten. Denn nur wer die ökologischen und ökonomischen Effekte mariner Raumplanung kennt und versteht, kann diese im Sinne einer langfristigen Erhaltung des marinen Lebens- und Wirtschaftsraumes gestalten.

Vanessa Stelzenmüllers Vortrag zum Thema marine Raumplanung in der deutschen AWZ der Nordsee (auf Englisch) finden Sie hier.